Entwicklung auf den geschäftsrelevanten Märkten

Allgemeiner Kupfermarkt

Die fundamentale Situation des Kupfermarktes bietet für Analysten ausreichend Grund zu der Annahme, dass auch 2018 mit einem hohen Kupferpreisniveau gerechnet werden kann. Kursvolatilität wird allerdings weiterhin ein Merkmal des Marktes bleiben. Die Einschätzungen von Marktexperten reichen von rund 6.500 US$/t bis 7.000 US$/t. Im Oktober 2017 wurden an einzelnen Tagen bei der London Metal Exchange Kurse um 7.000 US$/t (Settlement) erreicht.

Erneut wird viel davon abhängen, wie sich die Produktionsentwicklung der Kupferhütten darstellt. Im Fokus steht erneut China. Nach Angaben eines chinesischen Produzenten wird sich im laufenden Fünfjahresplan des Landes das Kapazitätswachstum bei chinesischen Kupferhütten vermindern. Außerdem erschweren verschärfte Finanzierungsbedingungen die Realisierung geplanter privater Hüttenprojekte, die bisher einen Großteil der Neukapazitäten ausgemacht haben. Im Jahr 2018 soll nur ein neues Projekt realisiert werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Phase der Inbetriebnahme in der Regel lang andauert, bevor eine volle Kapazitätsnutzung erreicht wird.

Die International Copper Study Group (ICSG) rechnet für 2018 mit einem Anstieg der Weltproduktion von raffiniertem Kupfer um 2,5 % und führt dies unter anderem auch auf die Wiederaufnahme von zeitweise stillgelegter Produktion zurück. Risiken, die sich bei ihrem Eintreten produktionsmindernd auswirken können, bestehen fort. Dazu zählen wie im Vorjahr Streiks, technische Störungen oder Wartungsstillstände.

Weil Kupfer für die Wirtschaftsentwicklung in Kernbranchen wie der Elektro- und der Autoindustrie oder dem Bauwesen ein essenzieller Werkstoff ist, kann auch 2018 von einer guten Nachfrage ausgegangen werden. Das solide Wirtschaftswachstum in Ländern mit dem größten Bedarf, darunter China, die USA und Europa, gibt hier die Richtung vor.

In China, das mit 48 % größter Kupfernachfrager weltweit ist, wird weiterhin ein Großteil des Bedarfs von Infrastrukturinvestitionen getragen, darunter auch solche in das für den Kupfereinsatz relevante Energienetz. Hervorzuheben ist hier das „One Belt, One Road“-Programm der chinesischen Regierung, das bereits zu Aufträgen für Kabelhersteller geführt hat. Im chinesischen Automobilsektor liegt ebenfalls Wachstumspotential für Kupferanwendungen. Die ICSG geht davon aus, dass Chinas Kupferbedarf 2018 um etwa 3 % zunehmen wird.

Insgesamt wird der globale Markt für raffiniertes Kupfer nach Angaben der ICSG im Jahr 2018 voraussichtlich ein geringes Produktionsdefizit aufweisen. Es soll bei 105.000 t liegen, was vor dem Hintergrund eines 24. Mio. t-Marktes einem weitgehend ausgeglichenen Verhältnis gleichkommt. Wie in der Vergangenheit können unvorhergesehene Entwicklungen zu größeren Veränderungen führen. Aus heutiger Sicht erscheint die Erwartung eines geringen Produktionsdefizits angesichts der absehbaren Entwicklungen auf der Produktions- und Nachfrageseite jedoch gerechtfertigt. Auch andere, wie der internationale Industrieverband der Hersteller von Kupfer und Kupferlegierungsprodukten, das International Wrought Copper Council oder die Research-Unternehmen CRU International und Wood Mackenzie, sehen den Kupfermarkt 2018 als weitgehend ausgeglichen an bzw. gehen von einem kleinen Produktionsdefizit aus.

Die Kupferbestände bei Metallbörsen haben sich zu Beginn des neuen Geschäftsjahres rückläufig entwickelt und können nicht als übertrieben hoch eingestuft werden. Nach dem Ende des Geschäftsjahres 2016/17 kam es im Oktober 2017 zu einer Abnahme um 7.000 t auf rund 570.000 t. Im chinesischen Zolllager Shanghai lagerten Ende Oktober darüber hinaus geschätzt 460.000 t.

Märkte für Kupferkonzentrate, Recycling und Schwefelsäure

Die Versorgung mit Rohstoffen zur Produktion von Kupfer umfasst bei Aurubis zu einem großen Teil Kupferkonzentrate. Für diese existiert ein Weltmarkt, an dem Minenunternehmen, Händler und Primärhütten aktiv sind. Bei den Primärhütten handelt es sich überwiegend um solche, die keine eigenen Minen oder Minenbeteiligungen besitzen. Kupferkonzentrate werden bei Aurubis zumeist über langfristige Bezugsverträge beschafft. Die hier vereinbarten Schmelz- und Raffinierlöhne orientieren sich jährlich an den sogenannten Benchmarks für reinere Qualitäten, weichen aber je nach Komplexität davon ab. Als Benchmark kann der erste größere Vertragsabschluss zur Lieferung im Gesamtjahr 2018 zwischen einer Mine und einer Konzentrathütte gelten.

Wir rechnen weiterhin mit einer guten Verfügbarkeit von Kupferkonzentraten am Weltmarkt. Insbesondere durch den seit Geschäftsjahresbeginn weiter gestiegenen Kupferpreis ist davon auszugehen, dass die Minen ihre Produktionskapazitäten voll auslasten werden. Ergänzt um unsere Positionierung am Markt und unsere Lieferantendiversifizierung sind wir zuversichtlich, erneut eine gute Versorgung sicherstellen zu können. Die zu erwartenden Schmelz- und Raffinierlöhne dürften sich auf einem zufriedenstellenden Niveau bewegen.

Für Altkupfer hat sich die Marktsituation nach dem Ende des Geschäftsjahres 2016/17 durch den weiterhin hohen Kupferpreis sowie durch eine rückläufige Nachfrage aus China weiter verbessert. Sinkende Metallpreise können jedoch kurzfristig zu einer Marktveränderung mit rückläufigen Raffinierlöhnen führen.

Der Absatz von Schwefelsäure ist meist von kurzfristigen Entwicklungen abhängig, was sich in der Laufzeit der Verträge widerspiegelt. Zusätzlich sind die Absatzmöglichkeiten regional sehr unterschiedlich mit entsprechend variierenden Konditionen. Aurubis beliefert den globalen Schwefelsäuremarkt mit den Schwerpunkten Europa, Nordamerika und Nordafrika. Das Verhältnis von lokalem Absatz und Exporten schwankt ensprechend den Marktgegebenheiten.

Märkte für Kupferprodukte

Die Lage an den Märkten für Kupferprodukte dürfte in den kommenden Monaten wesentlich davon abhängen, wie sich die Gesamtwirtschaft in Europa entwickelt und wie sich die einzelnen Branchenkonjunkturen darstellen werden. Es zeichnen sich folgende Entwicklungen ab:

Der Zentralverband der elektrotechnischen Industrie hat in seinem letzten Ausblick auf den Weltelektromarkt, der von Mitte 2017 datiert, der Branche ein Wachstum von jeweils 4 % für die Jahre 2017 und 2018 attestiert. Erfasst werden hierbei 53 Länder, die rund 97 % des globalen Marktes umfassen. Europa macht 17 % des Weltmarktes aus. Hier soll es 2018 zu einem Wachstum von 2 % kommen. Diese Rate gilt auch für Deutschland.

In der EU hat die Nachfrage nach PKW während der ersten Hälfte 2017 um 4,7 % zugenommen, mit mehr als 8 Mio. registrierten Fahrzeugen, so der europäische Automobilverband. Die Hauptmärkte konnten hierbei Zuwächse von 3 % (Frankreich) bis fast 9 % (Italien) verbuchen. Deutschland erreichte ein Plus von 3,1 %. Nach zwei guten Jahren sieht der Verband für das Gesamtjahr 2017 ein europäisches Nachfragewachstum für KFZ von nur 1,5 bis 2 %. Für Deutschland geht der deutsche Verband der Automobilindustrie von einem Plus von 4 % aus. Umstiegsprämien für Dieselfahrzeuge begünstigen die Situation. Dies dürfte auch 2018 zu einer guten PKW-Nachfrage führen. Die sich intensivierende Diskussion um E-Mobilität dürfte 2018 noch keine wesentlichen Auswirkungen auf unsere Absatzmärkte haben.

Die gute Baukonjunktur hat sich nach Angaben der deutschen Bauindustrie im Jahr 2017 besser als erwartet entwickelt. Für das Gesamtjahr 2017 wird ein Anstieg der nominalen Umsätze im Bauhauptgewerbe von 6 % erwartet. Für 2018 geht der Branchenverband von einem weiteren Anstieg von 5,5 % aus. Positive Treiber sind der akute Bedarf an zusätzlichem Wohnraum und steigende kommunale Investitionen.

Basierend auf diesen Prognosen erwarten wir in den drei wichtigsten Branchen für den Einsatz von Kupferanwendungen im Jahr 2018 eine stabile bis gute Entwicklung. Politische und konjunkturelle Entwicklungen können die jeweilige Marktlage allerdings entscheidend beeinflussen.

Bei Kupfergießwalzdraht ist das erste Quartal eines neuen Geschäftsjahres üblicherweise, saisonal bedingt, von einem etwas schwächeren Geschäft gekennzeichnet. Für das zweite Quartal erwarten wir indes eine stabile bis leicht steigende Nachfrage. Die südeuropäischen Märkte sind weiter im Aufwärtstrend und Nordeuropa zeigt sich stabil. In Nordafrika und Südosteuropa entwickelt sich die Nachfrage gut. Die Konjunktur in den Abnehmerindustrien Automobil und Bauwesen erwarten wir weiter auf hohem Niveau. Die Nachfrage von Kabelproduzenten, insbesondere die nach Energiekabeln, entwickelte sich 2017 unter der Erwartung, für 2018 ist aber ein leichtes Wachstum wahrscheinlich.

Hinsichtlich der Marktentwicklung bei Kupferstranggussformaten erwarten wir eine weiterhin sehr starke Produktnachfrage. Diese könnte das hohe Niveau von 2017 erreichen. Die positive Nachfragetendenz nach sauerstoffärmeren und höher legierten Werkstoffen setzt sich aus heutiger Sicht fort.

Im Produktbereich Specialities, zu dem auch Barren und Profile gehören, ist die Situation stabil. Bei Standardprodukten erwarten wir 2018 einen stärkeren Wettbewerbsdruck, der Absatz von Spezialanwendungen und Legierungen bleibt allerdings weiterhin gut.

Für Flachwalzprodukte ergeben sich folgende Entwicklungen: Die Wirtschaft in den USA, deren Entwicklung für unser dortiges Werk von hoher Bedeutung ist, wird für 2018 als leicht verbessert eingeschätzt. Dies könnte das dortige Kupfergeschäft unterstützen. Im europäischen Markt für Flachwalzprodukte erwarten wir eine stabile Nachfragesituation auf hohem Niveau, mit weiteren Wachstumschancen in wichtigen Teilbereichen.