Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Aurubis ist überwiegend im internationalen Kupfermarkt und in seinen Teilmärkten tätig. Diese unterscheiden sich zum Teil deutlich.

Kupferkonzentrate werden am Weltmarkt von Minengesellschaften und Handelsgesellschaften angeboten. Als Käufer steht Aurubis hier im Wettbewerb mit anderen Primärkupferhütten, die ihre Standorte vor allem in China und Japan haben.

Kupfer- und metallhaltige Recyclingrohstoffe beschafft Aurubis überwiegend im europäischen Markt. Auf der Anbieterseite sind vor allem die Unternehmen des Metallhandels vertreten, ein Teil der Recyclingrohstoffe erreicht uns aber auch auf dem direkten Weg von Produktherstellern. Nachfrageseitig konkurrieren wir vor allem mit anderen Kupfer- und Metallhütten sowie Metallverarbeitern, die ebenfalls Recyclingmaterialien einsetzen.

Kupferkathoden sind das Produkt, auf dem der Handel an den internationalen Metallbörsen beruht. Aurubis gehört mit einer Jahresproduktion von 1,2 Mio. t Kupferkathoden zwar zu den größten Produzenten, nimmt aber, gemessen am Gesamtmarkt für raffiniertes Kupfer von derzeit etwa 24 Mio. t, keine signifikante Stellung ein.

Die Absatzmärkte für Kupferprodukte weisen ebenfalls eine deutliche Fragmentierung auf, mit einer Vielzahl von Unternehmen, die vorwiegend zur Kabel- und Drahtindustrie sowie zur Halbzeugindustrie gehören.

Bei den Nebenprodukten ist vor allem Schwefelsäure von Relevanz, die in unseren Prozessen als Kuppelprodukt entsteht. Der Kreis der Abnehmer und Wettbewerber ist breit gefächert. Zu den Kunden zählen Unternehmen der Chemischen Industrie, der Düngemittelindustrie und der Minenindustrie.

An den einzelnen Märkten von Aurubis ergaben sich im Geschäftsjahr 2016/17 unterschiedliche Entwicklungen:

Im Kontrast zu 2016 entwickelte sich der internationale Markt für Kupferkonzentrate im Jahr 2017, vor allem im ersten Halbjahr, ungünstiger. Während das Vorjahr keine größeren Produktionsunterbrechungen bei Minen durch Streiks, Unfälle oder Wetterkapriolen aufwies, waren im Jahr 2017 Beeinträchtigungen zu verzeichnen.

Die Minenproduktion von Kupfer wird 2017, nach Angaben der International Copper Study Group (ICSG), voraussichtlich um etwa 2 bis 3 % niedriger ausfallen und sich auf 19,9 Mio. t belaufen, die weltweite Konzentrateproduktion 2017 dabei mit minus 2,5 % gegenüber dem Vorjahr zu Buche schlagen. Das Research-Unternehmen CRU rechnet hingegen nur mit einem Rückgang der Minenproduktion um 1,2 % und einem Minus von 0,3 % bei der Konzentrateproduktion.

Mengenausfälle entstanden vor allem durch Streiks in den Tarifauseinandersetzungen des ersten Quartals 2017, darunter länger andauernde Arbeitsniederlegungen in Südamerika und Indonesien. Auch fehlte es, anders als im Vorjahr, an der Inbetriebnahme größerer Neu- und Erweiterungsprojekte. Ab dem zweiten Quartal 2017 setzte langsam eine Verbesserung der Marktsituation ein und der Markt für Kupferkonzentrate kehrte zu einem ausgewogeneren Verhältnis von Produktion und Nachfrage zurück. Dazu trugen auch das gute Angebot an Altkupfer und auf der Nachfrageseite mehrere Produktionsstillstände bei Hütten bei.

Der europäische Markt für Recyclingrohstoffe hat sich im Geschäftsjahr für Hütten erneut als Käufermarkt erwiesen. Das Mengenangebot an Altkupfer blieb insgesamt hoch und das in allen bedeutenden Schrotthandelsregionen. Die gestiegenen Kupferpreise sorgten für einen guten Mengenfluss aus den Sammel- und Aufbereitungsaktivitäten des Metallhandels. Auf der Nachfrageseite standen dem eine gute Versorgungslage von Hütten und anderen Konsumenten sowie ein zurückhaltendes Kaufinteresse gegenüber. Fragen warfen die von China beabsichtigten Restriktionen bei der Einfuhr von Kupferschrotten auf. Klare Antworten waren bis zum Ende des Geschäftsjahres von den chinesischen Behörden jedoch nicht zu erhalten. Auch Mengen an komplexen Recyclingrohstoffen wie Elektro- und Elektronikschrotten standen am Markt ausreichend zur Verfügung.

Die Produktion von raffiniertem Kupfer war im Geschäftsjahr 2016/17 von zahlreichen geplanten und ungeplanten Produktionsstillständen bei Hütten beeinträchtigt, darunter solche in Chile, Japan, den USA und China. Diesen standen Kapazitätszuwächsen in der Volksrepublik und einer mit 84 % guten Auslastung der Raffinierkapazitäten im Zeitraum Januar bis Juli 2017 gegenüber. Entscheidend war auch die gute Verfügbarkeit von Altkupfer, die nach Einschätzung der ICSG im Jahr 2017 zu einem Anstieg der Sekundärproduktion um 4 % führen wird. Insgesamt geht die Organisation davon aus, dass die Weltproduktion von raffiniertem Kupfer im Jahr 2017 um etwa 1 % über der des Vorjahres liegen wird.

Auf der Nachfrageseite für raffiniertes Kupfer hat es in den ersten sieben Monaten 2017 nur wenig Veränderung gegenüber dem Vorjahr gegeben. Mit 13,7 Mio. t wurde in etwa das Niveau des Vergleichszeitraums 2016 erreicht. Für das Gesamtjahr rechnet die ICSG mit einem Anstieg der Weltnachfrage um etwa 1 % auf 23,7 Mio. t. Größere Unsicherheiten sind hierbei mit der Ermittlung der realen Kupfernachfrage in China verbunden. Die Einschätzungen der Zunahme reichen von 1 bis 4 %.

Die Höhe der Börsenbestände an Kupferkathoden hat im Geschäftsjahr zum Teil deutlich geschwankt. Dies war wiederholt auf größere Mengenein- und -auslagerungen durch einzelne Handelsfirmen zurückzuführen. Nach 542.858 t am Anfang des Geschäftsjahres waren am 29.09.2017 bei den Metallbörsen LME, COMEX und SHFE insgesamt rund 577.000 t eingelagert. Zusätzlich erreichten die Kupferbestände in chinesischen Zolllagern am Ende des Geschäftsjahres 500.000 t.

Am Weltmarkt für raffiniertes Kupfer gab es in den ersten sieben Monaten 2017 nach Angaben der ICSG ein Produktionsdefizit von 163.000 t. Nach Berücksichtigung von saisonalen Effekten und Veränderungen der Zolllagerbestände in China betrug das Defizit 93.000 t. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet die ICSG ein Produktionsdefizit von 131.000 t.

Am internationalen Markt für Gießwalzdraht, der weltweit rund 75 % der globalen Kathodenproduktion aufnimmt, ergaben sich im Verlauf des Geschäftsjahres von Quartal zu Quartal Produktions- und Nachfrageschwankungen. Nach einem schwächeren vierten Quartal des Jahres 2016 fiel das erste Quartal 2017 nochmals deutlich zurück. Von April bis Juni 2017 zeigten sich zwar eine höhere Produktion und Nachfrage, sie ließen beide im Schlussquartal des Geschäftsjahres (Juli bis September) jedoch noch einmal nach. Gefördert von einer guten konjunkturellen Entwicklung lag der Schwerpunkt der Erholung in Asien und Westeuropa.

Nachdem der globale Markt für Schwefelsäure im Geschäftsjahr 2016/17 zunächst schwach startete, führte später eine Marktverengung zu höheren Preisen. Nachfragezuwächse kamen vor allem aus der Kupferindustrie, wo Schwefelsäure im Bergbau zur Verarbeitung bestimmter Erze eingesetzt wird, sowie aus der Düngemittelindustrie. Über Teile des Geschäftsjahres wirkten sich Produktionsstörungen und Wartungsstillstände bei Hütten aus, die die Verfügbarkeit von Schwefelsäure einschränkten.

Der Kupferpreis an der LME konnte sich im Geschäftsjahr 2016/17 deutlich erholen. Nachdem anfangs Annahmen über ein mögliches Infrastrukturprogramm in den USA die Kursbildung beeinflussten, war es zuletzt die Annahme einer guten Kupfernachfrage Chinas. Insgesamt nahm bei Anlegern das Interesse für den Rohstoffsektor zu. Nach einem Kupferpreis von 4.807 US$/t (Settlement) Anfang Oktober 2016 und einer von Kursschwankungen gekennzeichneten Entwicklung schloss das Geschäftsjahr mit einem LME-Kupferpreis von 6.485 US$/t (Settlement). Der Tiefstwert des Jahres lag bei 4.620,50 US$/t (24.10.2016), der Höchstwert bei 6.904 US$/t (05.09.2017). Im Geschäftsjahresdurchschnitt ergab sich ein Wert von 5.781 US$/t (Vj. 4.767 US$/t).

Kupferpreis und Kupfer-Börsenbestände

Grafik: Kupferpreis und Kupfer-Börsenbestände