Brief des Vorstands

Grafik: Brief des Vorstandes

2017 war ein bewegtes Jahr, in dem wir uns neu ausgerichtet haben. Auf Basis eines sehr soliden Fundaments hat sich Aurubis ein neues Profil für die Zukunft gegeben. Damit liefern wir Antworten auf Fragen wie: Wer wollen wir künftig sein und welchen Weg werden wir dorthin beschreiten? Aber lassen Sie uns zunächst einen Blick auf das abgelaufene Geschäftsjahr werfen.

2016/17 war ein gutes Geschäftsjahr für den Aurubis-Konzern. Wie prognostiziert, liegen wir mit einem operativen Ergebnis vor Steuern (EBT) von 298 Mio. € deutlich über dem Vorjahreswert von 213 Mio. €. Der operative ROCE, die Rendite auf das eingesetzte Kapital, erreicht mit 15,1 % unsere interne Zielgröße und liegt damit ebenfalls über den Vorjahreswert von 10,9 %. Aufgrund der starken Entwicklung im operativen Geschäft haben wir die nötigen Mittel, um sinnvolles Wachstum voranzutreiben.

Allerdings hielten die Märkte für uns im Berichtsjahr sowohl Licht als auch Schatten bereit.

Während sich die Metallpreise und die Raffinierlöhne für Kupferschrotte deutlich positiv entwickelten und auch der US-Dollar günstig für uns stand, blieb der Schwefelsäuremarkt weiterhin von Überkapazitäten geprägt und auch die Konzentratmärkte hielten Herausforderungen für uns bereit. Dank einer vorausschauenden Ausrichtung und vor allem der Kapazitätsoptimierung um 170.000 t Konzentrat am Standort Pirdop/Bulgarien lagen die Durchsätze im Berichtsjahr wesentlich über denen des Vorjahres. Dies ermöglichte es uns, in Kombination mit einem vorteilhaften Einsatzmix und einer guten Verfügbarkeit an Kupferkonzentraten, die Marktvolatilitäten auszugleichen. Ein höheres Metallmehrausbringen, bei gestiegenen Metallpreisen, wirkte sich zudem positiv auf das Ergebnis aus. Auf der Produktseite erhöhten wir den Absatz bei Flachwalz- und Stranggussformaten, während das Volumen bei Gießwalzdraht unter dem Vorjahr blieb. Letzteres unter anderem aufgrund von Bestandskorrekturen im Kabelbereich durch eine Normänderung für Kabel innerhalb der Europäischen Union im Hinblick auf deren Feuerbeständigkeit sowie geopolitische Einflüsse.

In der Hauptversammlung am 2. März 2017 haben wir unsere Vision 2025 vorgestellt: Passion for metallurgy. Metals for progress. Together with you. Diese Botschaften bringen es auf den Punkt. So wollen wir bis 2025 sein, mit diesen Begriffen sollen uns unsere Geschäftspartner künftig in Verbindung bringen, dieses Credo wird gleichermaßen Ansporn wie Motivation für unsere Mitarbeiter sein.

Ein motivierendes Ziel ist wichtig, doch wie soll es erreicht werden? Um diese Frage zu beantworten, haben wir im Zuge der neuen Vision das Transformationsprogramm ONE Aurubis auf den Weg gebracht. Es bündelt in fünf miteinander verzahnten Bereichen eine Vielzahl von Maßnahmen. Auf einige möchten wir im Folgenden genauer eingehen.

Mit dem Namen Aurubis verbinden viele Menschen bislang vornehmlich Kupfer. Aber wir können mehr. Als Teil unserer Strategie werden wir in Zukunft die Produktionspalette an marktfähigen Metallen erweitern. Schon heute haben wir zum Beispiel die Möglichkeit, neben Kupfer auch Gold, Silber und weitere Edelmetalle auszubringen. Dies gestattet uns unser Basismetall Kupfer, denn in den von uns eingesetzten Kupferkonzentraten und Recyclingmaterialien erreichen uns gleichzeitig auch weitere werthaltige Metalle. Im Zusammenspiel zwischen Kupfer – welches heute wie morgen unser wichtiges Kernmetall bleiben wird – und dem Geschäft mit weiteren wertvollen Metallen werden wir unsere Wettbewerbsposition deutlich ausbauen. Dies wird uns weiteres Wachstum ermöglichen. Hierfür treiben wir interne Wachstumsprojekte voran und schauen uns gleichzeitig aktiv nach externen Möglichkeiten um. Zur ersten Kategorie gehört das zentrale Projekt Future Complex Metallurgy. In den nächsten Jahren werden wir hier rund 320 Mio. € an den Standorten Hamburg und Olen/Belgien investieren. Unser Ziel ist es, mehr komplexe Rohstoffe zu verarbeiten, Edelmetalle schneller auszubringen und ein optimiertes Ausbringen von weiteren Metallen zu ermöglichen.

Eine weitere Maßnahme des Transformationsprogramms ONE Aurubis ist eine angepasste Organisation, die am 1. Oktober 2017 wirksam wurde. Sie folgt nun konsequenter den Wertschöpfungsprozessen unseres Geschäfts und stellt die Kunden noch stärker als zuvor in den Fokus unseres Handelns. Solch ein Veränderungsprozess vollzieht sich ohne Frage nicht über Nacht. Dennoch, die nötigen Schritte wurden eingeleitet und wir werden die Umstellung im ersten Quartal 2018 abschließen. Nach außen wird die neue Organisation insbesondere dadurch sichtbar, dass wir künftig in den beiden Segmenten Metal Refining & Processing und Flat Rolled Products berichten werden.

Wir wollen aber nicht nur schneller werden, sondern zunehmend schlanker und effizienter. Wir schaffen dies durch ständige Weiterentwicklung. Die Basis hierfür sind sinnvolle Standardisierungen, beispielsweise bei der Informationstechnologie, wo wir Prozesse in Bereichen wie Einkauf, Verkauf, Logistik oder Finanzen global vereinheitlichen. Darauf aufbauend führen wir mit dem „Aurubis Operating System“ konzernweit eine verbesserte Methodik ein, die ein gemeinsames Verständnis vermittelt, wie wir bei Aurubis in Zukunft zusammenarbeiten werden. Sie liefert gleichzeitig Antworten auf die Fragen: Wie kann ich meine Arbeit effizienter gestalten? Oder: Wo kann ich Verluste eliminieren? Aufbauend darauf haben wir 2017 eine Vielzahl von Verbesserungsideen entwickelt. Darunter sind Maßnahmen, um technische Verfahren zu verbessern, um den Energie- und Materialeinkauf zu optimieren und um die Effizienz unserer Instandhaltungsprozesse oder der internen Kommunikation zu steigern. All dies zahlt auf unser Ziel ein, bis zum Geschäftsjahr 2019/20 unser operatives EBITDA sukzessive um mehr als 200 Mio. € zu erhöhen – basierend auf den Marktdaten des Geschäftsjahres 2014/15. Unser Ziel von mindestens 30 Mio. € operatives EBITDA aus diesem Programm haben wir bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr erreicht und liegen damit voll im Plan.

Sehr geehrte Damen und Herren, Sie sehen, zu Beginn des Geschäftsjahres 2017/18 ist Aurubis sehr gut aufgestellt. Wir produzieren Metalle, die heute und morgen in den verschiedensten Anwendungsbereichen des täglichen Lebens benötigt werden. Mehr noch: Unsere Produkte machen wichtige gesellschaftliche Trends wie die Elektromobilität oder die Energiewende erst möglich. Dabei agieren wir in doppeltem Wortsinne nachhaltig. Denn wir nehmen unsere unternehmerische Verantwortung sehr ernst. Daher haben wir 2017 damit begonnen, unsere selbst gesetzten Nachhaltigkeitsziele in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Mensch zu überarbeiten und zu verschärfen. Bei der Unfallvermeidung liegt uns ein Ziel besonders am Herzen: die „Vision Zero“ – sprich: null Unfälle. Weitere Investitionen in diesem Bereich stehen daher ganz oben auf unserer Agenda. Um unsere Kunden und Lieferanten künftig noch stärker an Aurubis zu binden, entwickeln wir uns zunehmend vom Verarbeiter von Rohstoffen zu einem Lösungsanbieter. Wir arbeiten darüber hinaus an unserer Unternehmenskultur, denn wir werden die anstehenden Veränderungen nur meistern, wenn wir unsere Mitarbeiter für das Neue begeistern. Hierfür gilt es, abteilungsübergreifend noch enger zusammenzuarbeiten, um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen.

Aurubis entwickelt sich weiter, die Vision 2025 gibt dabei die Richtung vor. Viele Ideen wurden generiert, eine Reihe von Maßnahmen angestoßen, wichtige Meilensteine erreicht, vieles ist im Werden. Aus Vielem wird Eins. So steht es auch auf unserem diesjährigen Geschäftsbericht, der Ihnen einen Überblick über den aktuellen Stand der Umsetzung geben soll. Was uns wichtig ist, wollen wir noch einmal betonen: Mit der Vision 2025 und ONE Aurubis haben wir uns auf eine längere Reise begeben, deren Ergebnisse sich vielleicht nicht gleich morgen, aber sukzessive zeigen werden. Wir sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind um Aurubis zukunftssicherer zu machen.

Abschließend möchten wir unseren Dank ausdrücken: an die Aktionärinnen und Aktionäre, an unsere Kunden und Lieferanten, aber insbesondere an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für ihr hohes Engagement im abgelaufenen Geschäftsjahr und ihren Einsatz im Zuge der Weiterentwicklung von Aurubis.

Mit freundlichen Grüßen

Grafik: Unterschrift Jürgen Schachler
Grafik: Unterschrift Dr. Stefan Boel

Jürgen Schachler          Dr. Stefan Boel    

Jürgen Schachler

JÜRGEN SCHACHLER begann seine berufliche Tätigkeit nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in der Chemischen Industrie. Danach wechselte er in die Metallverarbeitende Industrie und hatte dort Positionen im Marketing und Vertrieb inne. Ab 1993 war er in leitender Position in verschiedenen Gesellschaften des ArcelorMittal-Konzerns tätig. Seine Auslandstätigkeit umfasste dabei Führungspositionen in den USA, Thailand, Kanada und Frankreich. 2013 übernahm Jürgen Schachler als CEO die Verantwortung für den ArcelorMittal Geschäftsbereich Flachprodukte Südwesteuropa. Mit Wirkung zum 01.07.2016 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der Aurubis AG berufen. Hier zeichnete er im abgelaufenen Geschäftsjahr zusätzlich für die BU Primärkupfererzeugung verantwortlich und übte die Funktion des Arbeitsdirektors aus.

Dr. Stefan Boel

DR. STEFAN BOEL arbeitete ab 2001 in der Produktentwicklung und im Marketing des damaligen Geschäftsbereichs Kupfer des Umicore-Konzerns und war anschließend kaufmännischer Leiter des Umicore-Werks in Bulgarien. Mit der Ausgliederung von Cumerio wurde Dr. Stefan Boel Vice President Copper Refining and Mining Projects und Mitglied des Executive Committee. Im Zuge der Integration von Cumerio in den Aurubis-Konzern trat er 2008 in den Vorstand ein. Im Geschäftsjahr zeichnete er für die BU Kupferprodukte verantwortlich.